Fuhrpark

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Der Fuhrpark ist in vielen betrieblichen Mobilitätskonzepten eine wichtige Größe, manchmal steht er sogar im Zentrum der Betrachtungen. Durch ein systematisches Fuhrparkmanagement lassen sich viele Ziele des Mobilitätsmanagements (vor allem die Reduzierung von Treibstoffverbräuchen und damit von Kosten und Umweltbelastungen) unterstützen.

Der Begriff Fuhrpark umfasst die Gesamtheit der Fahrzeuge eines Betriebs:

  • Pkw
  • Kleintransporter
  • Lkw

aber auch andere Nutzfahrzeuge, wie Fahrräder, Eisenbahnen, Kehrmaschinen. [1]

Die Betrachtungen im Rahmen des betrieblichen Mobilitätsmanagements konzentrieren sich auf diejenigen Fahrzeuge, mit denen Personen transportiert werden (Personenmobilität in Abgrenzung zum Gütertransport).

In Deutschland gibt es etwa 4,5 Millionen Fahrzeuge der Personenmobilität (Pkw und Kleintransporter) als Flottenfahrzeuge in rund 1,6 Millionen Firmenfuhrparks. Etwa 16.000 Fuhrparks haben mehr als 20 Fahrzeuge. Etwa zehn Prozent des Gesamt-Pkw-Bestandes in Deutschland sind gewerblich. 2017 lag der Anteil der gewerblichen Fahrzeuge an den Neuzulassungen bei 35 Prozent. (Quelle: [2].

Vor allem in den größeren Fuhrparks (mit mehr als 20 Fahrzeugen) hat sich das Fuhrparkmanagement (auch Flottenmanagement) als eigenständige Profession entwickelt. Es umfasst das Verwalten, Planen, Steuern und Überwachen im Fuhrpark. [3] Für das Fuhrparkmanagement gibt es zahlreiche Handbücher, Zeitschriften, Messen und Angebote der Aus- und Weiterbildung. Die ökonomisch-ökologische Entwicklung der Fuhrparke ist bereits seit langem ein wichtiges Thema in der Branche, da durch den effizienten Einsatz von Treibstoffen wirtschaftliche (Kostensenkung) wie ökologische (Klimaschutz) Ziele erreicht werden können.

Im Rahmen des Mobilitätsmanagements findet häufig eine Verzahnung des Fuhrparkmanagements mit anderen betrieblichen Bereichen statt. Diese wird auch durch innere und äußere Faktoren vorangetrieben:

  • Die Auslastung der Fahrzeuge ist eine wichtige Kenngröße für die Wirtschaftlichkeit des Fuhrparks. Sie hängt aber u.a. auch davon ab, welche anderen Verkehrsmittel zur Verfügung stehen und wie diese von den Mitarbeitern genutzt werden.
  • Die Integration der Elektromobilität ist in vielen Betrieben ein aktuelles Thema. Die damit verbundenen Aufgaben (z.B. Aufbau von Ladeinfrastruktur) erweitern das klassische Gebiet des Fuhrparkmanagers und erfordern Kooperation mit anderen betrieblichen Bereichen.
  • Im Rahmen von betrieblichen Klimaschutzbilanzen wird deutlich, welche Bedeutung der Fuhrpark auf den Gesamtenergieverbrauch eines Unternehmens hat. Während der Anteil des Fuhrparks in produzierenden Betrieben in der Regel gering ist, steigt er in Dienstleistungs- und vertriebsorientierten Unternehmen deutlich an.

In einigen Betrieben ist deshalb mit der Einführung eines Mobilitätsmanagements das Aufgabenspektrum des Fuhrparkmanagements erweitert oder mit anderen betrieblichen Funktionsbereichen verzahnt worden (Dienstreise- bzw. Travel Management).

In diesem Kapitel werden die wichtigsten Ansatzpunkte für den Fuhrpark im Rahmen eines betrieblichen Mobilitätskonzeptes beschrieben. Für drei Einzelaspekte,

sind eigenständige Kapitel erstellt worden.

Maßnahmen(bündel)

Firmenwagen vs. Poolfahrzeuge

Bei der Weiterentwicklung des Fuhrparks im Rahmen des betrieblichen Mobilitätsmanagements ist es sinnvoll, zwischen personengebunden Fahrzeugen (so genannten Firmen- oder Dienstwagen) und gemeinsam genutzten Fahrzeugen (so genannten Poolfahrzeugen) zu unterscheiden.

  • Firmenwagen werden Führungskräften, leitenden Angestellten und Vertriebsmitarbeitern zur Verfügung gestellt. Wenn diese den Pkw auch für private Zwecke nutzen, erfolgt die Besteuerung dieses Vorteils anhand der so genannten Ein-Prozent-Regelung (s. auch [4]). Firmenwagen werden meistens intensiv genutzt (Jahreskilometerleistung > 50.000 Kilometer) und stehen anderen Personen i.d.R. nicht zur Verfügung.
  • Poolfahrzeuge stehen hingegen mehreren oder allen Mitarbeitern eines Unternehmens für dienstliche Fahrten bereit. Eine Nutzung für private Zwecke ist nur in Ausnahmen zulässig und unterliegt strengen steuerrechtlichen Regeln. Poolfahrzeuge weisen häufig einen niedrigen Nutzungsgrad auf (Jahreskilometerleistung < 20.000 Kilometer).

Beschaffung von Fahrzeugen

Die Beschaffung der Fahrzeuge ist vor allem bei Firmenwagen, aber auch bei Poolfahrzeugen, eine wichtige Stellgröße für die Wirtschaftlichkeit und die Umweltverträglichkeit der Flotte. In vielen Betrieben werden die Modalitäten der Fahrzeugbeschaffung durch eine so genannte Car Policy vorgegeben, d.h. Größe und Ausstattung, aber auch die Nutzung der Fahrzeuge wird an bestimmte Kriterien wie z.B. Funktion im Betrieb, Einsatzbereich usw. geknüpft. Enthält die Car Policy Ziele und Anforderungen zur ökologischen Optimierung des Fuhrparks (z.B. CO2-Grenzwerte) spricht man von einer Green Car Policy.

Weitere Informationen siehe "Green Car Policy".

Die Fuhrparkanalyse

Die Fuhrparkanalyse ist ein Teil des Fuhrparkmanagements [5]. Die Fuhrparkanalyse bietet einen guten Überblick über den Einsatz des Fuhrparks und ermöglicht damit Verbesserungen bei Tourenplanung, Fahrereinsatz, Kosten und Umweltauswirkungen.

Effizienzsteigerung im Fuhrpark

Aus der Fuhrparkanalyse ergeben sich häufig Möglichkeiten zur ökonomischen und ökologischen Optimierung des Fuhrparks. Häufig genutzte Maßnahmen sind:

  • Steigerung der Auslastung: Diese Maßnahme ist v.a. im Bereich der Poolfahrzeuge sehr sinnvoll, da diese häufig nicht wirtschaftlich betrieben werden. Der Fuhrpark kann mit Hilfe der Fuhrparkanalyse an den Bedarf angepasst, meist verkleinert werden. Damit werden unnötige Kosten und Materialverbräuche vermieden.
  • Fahrerschulungen: Durch Schulung des Fahrverhaltens lassen sich bis zu 25 Prozent, im Durchschnitt etwa 10 Prozent der Treibstoffverbräuche reduzieren. In Fahrerschulungen, die auch mit Fahrsicherheitstrainings kombiniert werden können, lernen die Mitarbeiter eine verbrauchsreduzierte Fahrweise.
  • Wartung und Instandhaltung: Durch Reduzierung des Gewichts (z.B. unnötiger Ballast) und Verringerung von Luftwiderständen (z.B. unnötige Aufbauten) können Treibstoffverbräuche ebenso reduziert warden, wie durch den Einsatz von Leichtlaufreifen und Leichtlaufölen.
  • Routenoptimierung: Bereits mit einem einfachen Navigationsgerät kann der beste Weg zum Ziel gefunden werden. Für komplexere Anforderungen (Terminkoordination, Disposition von Aufträgen) gibt es spezielle Software- und Telematiklösungen, mit denen der Zeit- und Kostenaufwand minimiert werden kann.

Einbindung des Fuhrparks in das Mobilitätsmanagement

Das betriebliche Mobilitätsmanagement nutzt die in der Fuhrparkanalyse erhobenen Daten, um z.B.

  • den Fuhrpark für weitere Einsatzzwecke und Nutzergruppen zu öffnen (Corporate Carsharing) oder
  • Möglichkeiten der Umstellung auf alternative Antriebstechnologien (z.B. Elektromobilität) zu prüfen.

Tipps und Hinweise

Wussten Sie,

  • dass einige Berufsgenossenschaften (wie z.B. die VBG [6] die Durchführung von Fahrsicherheitstrainings finanziell unterstützen? Diese können auch mit Spritspartrainings kombiniert werden.
  • dass viele Unternehmen die VCD Auto-Umweltliste für die Auswahl von Firmenfahrzeugen und als Grundlage für die Green Car Policy nutzen? Infos unter [7]

Praxisbeispiele

  • Die im Familienbesitz befindliche mittelständische Hesse Lignal GmbH hat die im Unternehmen bereits vorhandene Car Policy für die Firmenwagen von Führungskräften und Vertriebsmitarbeitern weiterentwickelt: Dabei wurden die Dienstwagen im Hinblick auf ihren Energieverbrauch und die damit verbundenen CO2-Emissionen bewertet. Jetzt wird konsequent energieeffiziente Technik genutzt, außerdem wurden die Laufzeiten der Leasingverträge angepasst, sodass der Fuhrpark immer auf dem neuesten Stand der Technik ist. Eine CO2-Bonus-Malus-Regelung bietet Nutzern von Fahrzeugen mit niedrigerem CO2-Ausstoß Vorteile und mit einem Kraftstoffsparwettbewerb wird eine energiesparende Fahrweise gefördert. (Quelle: mobil gewinnt Broschüre)
  • Die Wacker Chemie AG betreibt am Standort Burghausen einen großen firmeneigenen Fahrradpark mit einer werkeigenen Fahrradwerkstatt – seit 1948. Um die langen Wege innerhalb des Betriebsgeländes zurückzulegen, stehen den Mitarbeitern 6.000 Dienstfahrräder zur Verfügung. WACKER fördert mit zwei weiteren Maßnahmen die umweltfreundliche Mobilität: Mit der Beteiligung an der bundesweiten AOK-Initiative „Mit dem Rad zur Arbeit“ und mit dem Angebot des Dienstrad-Leasings. (Quelle: mobil gewinnt Broschüre)
  • Die Innovationsabteilung MO14 der R+V Versicherung beschäftigt sich mit Zukunftstrends der Mobilität und prüft, wie diese in den Unternehmensalltag übernommen werden können. Dafür wurden u.a. zwei autonome Shuttles angeschafft, begutachtet, umgebaut und durch die Zulassung begleitet. Mit Hilfe der autonomen Elektroshuttles wird in ganz unterschiedlichen Testfeldern erforscht, wie sich die vier großen Megatrends Elektromobilität, Konnektivität, Share Economy und Autonomes Fahren auf Technik, Wissenschaft und Gesellschaft auswirken. Gemeinsam mit Partnerunternehmen aus Wissenschaft, Industrie und der Start up-Welt sucht die Abteilung Fragen, die uns in Zukunft begegnen werden und arbeitet bereits heute an den Lösungen von morgen und übermorgen. Daraus leitet das Unternehmen Handlungsfelder für die Zukunft der Kfz-Versicherung ab. (Quelle: mobil gewinnt Broschüre)

Weitere Hilfestellungen

Quellen:

  • Pätz, Helmut (Hg.) (2011): Fuhrparkmanagement - aus der Praxis für die Praxis, Zertifizierte Fuhrparkmanager legen ihre Erfolgsmethoden offen
  • Frankfurt Business Media GmbH (Hrsg.) (2018): Ratgeber Dienstwagen- und Mobilitätsmanagement [8]
  • Eickelmann, Jens (2017): Wachstumsmotor Elektromobilität - Geschäftsfeldentwicklung und Wachstumsstrategien im Umfeld der Elektromobilität
  • VCD (2010): Effizienter Fuhrpark - kostengünstig, umweltschonend, zukunftssicher [9]

Links:

  • Homepage des Verbandes markenunabhängiger Fuhrparkmanagementgesellschaften [10]
  • Homepage des Bundesverband Fuhrparkmanagement [11]
  • Gemeinschaftsaktion "Neues Fahren - clever, sicher, weiter" u.a. mit Infos zu Spritpartrainings [12]
  • Informationen des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) u.a. auch zu Eco Safety Trainings [13]

Ansprechpartner: